Geologie

Zur Abschätzung der Speicherkapazität im deutschen Nordseesektor werden im Projekt die folgenden Fragestellungen bearbeitet.

Wie groß ist die CO2 – Speicherkapazität im Untergrund des Deutschen Nordseesektors?

Bisher gibt es nur grobe und unvollständige Abschätzungen der Speicherkapazität im Deutschen Nordseesektor (ohne den sog. ‚Entenschnabel‘ )in Höhe von 3,6 – 10,4 Milliarden Tonnen CO2 (Willscher 2007) bzw. 1,9-4,5 Milliarden Tonnen (Vangkilde-Pedersen et al., 2009). Diese Werte beruhen auf der Abschätzung des ‚nutzbaren‘ Porenvolumens vieler einzelner Speicherstrukturen, also von Fallenstrukturen in Sandsteinformationen, die von Barrieregesteinen bedeckt sind und daher prinzipiell für die Speicherung geeignet sein könnten.

Demnach könnte ein Großteil der CO2-Emissionen, die in den kommenden Jahrzehnten in der deutschen Industrie entstehen und nicht durch Produktionsumstellungen vermieden werden können (ca. 30 – 90 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr) im geologischen Untergrund der Nordsee gespeichert werden.
In allen bisherigen Abschätzungen der Speicherkapazitäten wurden die Gesteine der Oberkreide nicht und die des Rotliegenden nur unvollständig betrachtet. Diese Lücken sollen nun im Projekt geschlossen werden. Zudem soll erstmals die CO2-Speicherkapazität im sog. ‚Entenschnabel‘ erfasst werden, sodass eine umfassendere und genauere Abschätzung der Speicherkapazität im deutschen Nordseesektor erreicht wird.

Wieviel CO2 kann tatsächlich gespeichert werden?

Der vorhandene Porenraum in Speicherformationen kann nur teilweise mit CO2 werden, da sich das eingebrachte CO2 aufgrund der Beschaffenheit des Speichergesteins nicht im gesamten Porenraum verteilt. Zudem können bei der CO2-Injektion Überdrücke im Untergrund entstehen, die dazu führen, dass die Injektionsrate reduziert werden muss und ggf. nur eine geringere CO2-Menge als vorhergesagt gespeichert werden kann. Starke Überdrücke müssen vermieden werden, da sie die Integrität der Speicher- und/oder der Barrieregesteine beeinträchtigen und somit das Risiko von CO2-Leckagen erhöhen. Zudem können sie seismische Ereignisse im Untergrund auslösen, die möglicherweise zu einer Gefährdung von Infrastrukturen am bzw. im Meeresboden führen (Umwelt).

Um den nutzbaren, also mit CO2 füllbaren Porenraum zu ermitteln, soll exemplarisch eine CO2-Speicherung an zwei ausgewählten Gebieten mit Hilfe von Computermodellen simuliert werden,die den unterschiedlich komplexen Aufbau des geologischen Untergrunds im Nordseeraum abbilden.
Dazu werden für die beiden Gebiete zunächst detaillierte geologische 3D-Modell des Untergrunds aus entwickelt.

Anschließend wird in jedem Gebiet an einer Speicherstruktur die CO2-Injektion und -Speicherung von bis zu 10 Millionen Tonnen CO2 pro Standort und Jahr simuliert. In den Simulationen werden die Ausbreitung des CO2 im Untergrund, die Verdrängung des Formationswassers und die Druckentwicklung im Untergrundberücksichtigt. Zudem wird untersucht, ob das gespeicherte CO2 in der Speicherformation verbleibt oder entlang von Störungen entweichen kann (Umwelt).
Anhand der Simulationsergebnisse soll abgeleitet werden, wieviel CO2 an dem jeweiligen Standort gespeichert werden kann, ohne dass der Druck im Untergrund zu stark erhöht wird oder das CO2 den Speicher verlässt (Umwelt).

Die tatsächlich an diesen Standorten speicherbare CO2-Menge wird von zusätzlichen Faktoren (z.B. ökonomische Erwägungen, regulatorische Vorgaben, (geo-)technische Aspekte) weiter begrenzt, die erst im Rahmen der Standorterkundung und der detaillierten Planungen für ein spezifisches CCS-Projekt ermittelt werden können.

Team:

Prof. Dr. Sebastian Bauer (CAU)

Firdovsi Gasanzade (CAU)

Dr. Frithjof Bense (BGR)

Fabian Jähne-Klingberg (BGR)

Stefan Knopf (BGR)

Dr. Gesa Kuhlmann (BGR)

Dr. Heidrun Stück (BGR)

Dr. Björn Zehner (BGR)

Dr. Michael Schnabel (BGR)

Weiterführende Informationen

https://www.bgr.bund.de

November 2024

Studie zur Abschätzung der statischen Speicherkapazität

Die Studie von Fuhrmann et al. (2024) beschäftigt sich mit dem CO2-Speicherpotenzial in geologischen Formationen des Mittleren Buntsandstein in der deutschen ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ), die sich im Abstand von 12 bis maximal 200 Seemeilen von der Küste, in der deutschen Nordsee befindet. Bei den betrachteten Speichergesteinen handelt es sich vor allem um Gesteinsformationen, die in Tiefen bis zu circa 5000 Metern unter dem Meeresboden vorkommen. Für die Studie wurden insgesamt 71 Speicherstrukturen auf Grundlage vorhandener 3D-Modelle, seismischer Daten und Daten von Bohrungen kartiert und neu bewertet.

Die Abschätzung der möglichen Speicherkapazitäten der Strukturen erfolgte mittels der statistischen Methode der Monte-Carlo-Simulation, die es ermöglicht, Unsicherheiten in den Parametern, die zur Kapazitätsabschätzung benötigt werden zu berücksichtigen. Diese Methode liefert – anstelle eines einzigen Schätzwertes – Wahrscheinlichkeitsverteilungen möglicher Ergebnisse.

In der Studie wurden jene Speicherstrukturen identifiziert, die in einer Tiefe von 800 bis 4500 Meter liegen, eine geeignete Deckschicht aufweisen, die aus mindestens 20 Meter dicken undurchlässigen Ton- oder Salzgesteinsschichten besteht, die das Speichergestein abdichten und gespeichertes Kohlendioxid zurückhalten würde und eine Speicherkapazität von circa 5 Millionen Tonnen CO2 (Medianwert) haben. So reduzierte sich die Anzahl von 71 untersuchten Speicherstrukturen auf 38 Strukturen, die näher betrachtet worden sind.

Für diese 38 Strukturen wurde eine statische Speicherkapazität von insgesamt ca. 1 bis 5,5 Milliarden Tonnen CO2 abgeschätzt. Dies Spanne erklärt sich durch die Verteilung der Wahrscheinlichkeiten. Der Medianwert der Speicherkapazität, bei dem 50% der Berechnungen kleinere und 50% größere Werte liefern liegt bei 2,55 Milliarden Tonnen CO2. Der Wert, bei dem 10% der Berechnungen kleinere Werte liefern, liegt bei circa 1 Milliarde Tonnen CO2. Der höchste Schätzwert von 5,5 Milliarden Tonnen CO2-Speicherkapazität ist wiederum das Ergebnis, bei dem nur 10% der Berechnungen höhere Werte liefern.

Die Unsicherheiten liegen insbesondere darin, dass beispielsweise die Porositäten der Sandsteine in der deutschen Nordsee häufig nicht genau bekannt sind und diese anhand von Daten aus den Niederlanden abgeschätzt werden mussten. Um Vorhersagen für eine einzelne Struktur genauer zu machen, müssen für diese standortspezifische Daten erhoben und sogenannte dynamische Simulationen durchgeführt werden. Die von Fuhrmann et al. (2024) abgeschätzten, statischen volumetrischen Speicherkapazitäten sind als theoretische (Maximal-)Werte zu betrachten, die durch verschiedene (geotechnische, rechtliche, politische, sozioökonomische etc.) Faktoren verringert werden können.

Die Abbildung zeigt die geologischen Struktureinheiten der Nordsee in der Deutschen AWZ (Ausschliesslichen Wirtschaftszone, engl. EEZ: Exclusive Economic Zone). Die Arbeitsgebiete A (West Schleswig Block) und B (Entenschnabel) werden im Projekt genauer untersucht.

Literatur

Willscher, B. (2007) Die CO2-Speicherkapazität in salinen Aquiferen in der deutschen Nordsee. Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, Hannover.

Vangkilde-Pedersen, T.: EU GeoCapacity, 2009. Assessing Europe Capacity for Geological Storage of Carbon Dioxide. D16 WP2 Storage Capacity., 170 pp., 2009.